Gelsenkirchen

 

Gelsenkirchen, früher die „Stadt der tausend Feuer“ zeigt sich heute von seiner grünen Seite.         

Hier erwarten uns viele Freizeit-Angebote wie zum Beispiel ein Besuch in der Zoom-Erlebniswelt.

 

Auch das Schloss Berge und der Berger See laden zu einem Spaziergang ein.                                      

Alljährlich freuen wir uns auf das aus Blumen gestaltete Stadtwappen.                                                  

Einen herzlichen Dank an die vielen fleißigen Gärtner der Stadt Gelsenkirchen.

Das Schloss Berge hat eine lange Tradition. Einst war es der Stammsitz der Familie von Berge.

1924 wurden Schloß und Anlage von der Stadt erworben, um dort eine „Volkserholungsstätte mit

Gast- und Wirtschaftsräumen“ einzurichten.

Seither ist die Parkanlage ein wichtiger Ort für Naherholung, der an Sommertagen nicht nur von

zahlreichen Bueranern genutzt wird.

Auch ich gehe dort regelmäßig gerne joggen, radeln und spazieren.

 

Rundgang durch die Altstadt von Gelsenkirchen

Am “Neumarkt” steht die 24 Meter hohe Glassäule (Gelsenkirchener Prisma) des aus Düsseldorf stammenden Künstlers Jürgen Lit Fischer. Die Säule symbolisiert die drei Standbeine der Gelsenkirchener  Wirtschaft: Stahl, Glas, Kohle. Das Kunstwerk ist ein Geschenk der Stadtsparkasse zu Ihrem 125 jährigen Jubiläum. 1950/51 wurde das Sparkassengebäude erbaut, früher befand sich an selber Stelle die erste Hauptpost der Stadt (1885), das erste Amtsgericht (1879 – 1900) und das Tiefbauamt der Stadt.

Wenn man links an dem Sparkassengebäude vorbei geht erreicht man die eigentliche Keimzelle der Stadt. Die evangelische Altstadtkirche an den Rundhöfchen. Hier wurde ca. 1250 die “St. Georgskirche” erbaut, nachdem im Jahr 1000 die Essener Äbtissin (Mathilde) eine erste kleine Kirche ereichten ließ. Die Kirche von 1250 blieb bis zu ihrem Abriss 1882 fast unverändert. Nach der Reformation wurde die Kirche von den Evangelischen übernommen, ab 1672 wurde sie auch den Katholiken zur Verfügung gestellt. Diese Doppelnutzung dauerte fast 200 Jahre lang. 1882 – 1884 wurde die neue Altstadtkirche erbaut, diese wurde 60 Jahre später beim großen Bombenangriff auf Gelsenkirchen (6.11.1944) zerstört. Der heutige Bau entstand 1954-56, wobei der Kirchturm der zerstörten Kirche beibehalten wurde und nur modern “ummantelt” wurde. In der heutigen Kirche hängt immer noch die Georgsglocke aus dem Jahre 1320.

Um die alte Dorfkirche (Georgskirche) entwickelte sich eine Siedlung. Die Kirche stand auf den Schnittpunkt der Fläche der beiden Oberhöfe Brockhof und Schalke und dem alten Wüllendorf, das Vorgängerdorf aus dem Jahre 1000. Ende des 19 Jahrhunderts wurden die Straßen um die Altstadtkirche in “Kreuzstrasse” und “Rundhöfchen” benannt. Heute heißt nur ein Teilstück “Am Rundhöfchen”. Die Kreuzstraße verschwand nachdem in den 1960iger Jahren die Wohn- und Geschäftsbebauung abgerissen wurde und für den Neubau des IDUNA Hochhauses platz machte.

Gegenüber der Altstadtkirche steht die 1892 geweihte Propsteikirche “St. Augustinus”. Ab den 1840iger Jahren nahm die Bevölkerung im Zuge der Industrialisierung zu und so war es das bestreben der Katholiken wieder eine eigene Kirche zu besitzen. Um 1845 wurde auf den Grundstück des “Lohauskotten” eine Kirche geweiht, die aber sehr schnell der wachsenden Gemeinde zu klein wurde. 1874 wurde der Grundstein für die heutige “St. Augustinus” Kirche gelegt. Der Bau der Kirche verzögerte sich wegen des Bismarckschen Kulturkampfes. 1944 wurde die Kirche teilweise zerstört und bis 1949 wieder aufgebaut.

Der große Platz vor beiden Kirchen heißt “Heinrich-König-Platz”, nach einem Vikar der Propsteigemeinde, der wegen seines mutigen Auftretens von den Nazis verhaftet und 1942 im KZ Dachau starb. Bis in die fünfziger Jahre wurde der Platz offiziell “Kirchplatz” genannt. Danach gehörte er zum Neumarkt bis dann 1986 die heutige Bezeichnung kam.

In der “Rober-Koch-Str.” 18 wohnte der Architekt Josef Funke, der für Gelsenkirchen ein bedeutender Architekt in den 1920iger Jahren wurde.

An der Stelle der Ladenpavillons vor dem IDUNA Hochhauses stand ab 1840 ein Schulhaus, das von beiden Religionen benutzt wurde. Schon 1332 wird im Heberegister der Stiftes Essen eine Schule in Gelsenkirchen genannt. Hinter der Schule standen die beiden Wohnhäuser des evangelischen und des katholischen Lehrers. Das Wohnhaus des Lehrers Lindemann, der von 1815 – 1865 tätig war, überstand den 2 Weltkrieg und wurde erst im Zuge der Sanierung abgerissen. Das Schulgebäude von 1840 wurde 1876 der Kfm.-Schule überlassen, dann als Polizeiwache benutz und zuletzt dem Verkehrsverein überlassen. 1929 wurde es schließlich abgerissen.

Wir sind nun am “Hans-Sachs-Haus”. Ab 1925 entstand hier das neue Verwaltungszentrum der Stadt, nach den Plänen des Essener Architekten Alfred Fischer. Vor dem Bau des Hauses standen hier die Berufsschule und die bekannte Gaststätte “Heuser”, wo ab ca. 1883 Konzerte und Vorträge abgehalten wurden. Fertigstellung des “Hans-Sachs-Hauses” war 1927. Der Name wurde nach einem öffentlichen Wettbewerb festgelegt.

An der Ecke “Ebertstr./Vattmannstr.” liegt heute der “Fritz-Rahkob-Platz”. Fritz Rahkob war ein kommunistischer Widerstandkämpfer in der Nazizeit und wurde 1944 ermordet. Auf dem Platz stand früher die “Villa Bischoff”. Bischoff war “Bergwerksunternehmer”, er “lieferte” den Zechen in der Umgebung die Grubenpferde. Er war einer der größten “Grubenpferdelieferanten” Europas. Nach dem Krieg stand ein schmuckloses Eckgebäude an der Stelle, das dann in den 1960iger Jahren abgerissen wurde und en Bildungszentrum (VHS, Bücherei) platz machte.

Hinter der VHS erhebt sich Gelsenkirchens höchstes Wohnhaus, der s.g. “Weiße Riese”. Es ist ein von der LBS errichtete Wohnanlage mit insgesamt 14 Stockwerken. Hier befanden sich früher die Stallungen von Bischoff und die Feuerwehr (Spritzenhaus + Steigerturm). Im alten Spritzenhaus wohnte vor etwa 150 Jahren der alte Gelsenkirchener Nachtwächter und Schweinehirt Fegeler. Fegler führte die Schweine des Dorfes auf die “Wiese”´, ein Begriff der noch bis in die 1950iger Jahre gebraucht wurde. Heute steht hier das von 1955 – 59 erbaute Musiktheater. Da wo sich heute die Kreuzung “Overwegstr./ Florastraße” und das Zentralbad steht, befand sich der erste Gelsenkirchener Großmarkt. Auf der “Wiese” wurden auch die Kirmessen des Dorfes abgehalten.

Der Platz zwischen Bildungszentrum und dem Haus der Stadtwerke ist der “Leopold-Neuwald-Platz”. Leopold Neuwald gehörte einer der ältesten jüdischen Familien Gelsenkirchens an. Er wurde mit Familienmitgliedern nach Riga deportiert und umgebracht.

Die “Mulvanystraße” war früher ein Teil der alten Florastraße. William Mulvany wurde 1806 in Dublin geboren und gilt als Wegbereiter des Industrie in Gelsenkirchen bzw. dem Ruhrgebiet. Er erschloss die Grubenfelder der ersten Zeche der Stadt, der Zeche “Hibernia” (der lateinische Name für Mulvanys Heimat Irland). Nach ca. 50 Metern beginnt die “Brockhoffstraße”. Der Brockhof war ein Oberhof des Stiftes Essen dem im 14 Jahrhundert 54 Unterhöfe unterstanden. Das Wohnhaus des Brockhofes wurde 1896 abgerissen.

Am “Alten Markt” wurde im dörflichen Gelsenkirchen die Ware der Markthändler aus Nah und Fern angeboten. Seit dem Mittelalter wurden hier zwei Jahrmärkte gefeiert. Am “St.-Jörgenstag” (Ende April) und am “St. Michaelistag” (Ende Sept.). Das recht die Jahrmärkte zu feiern wurde dem Dorf Gelsenkirchen 1571 erteilt. Ab 1900 wurde das Markttreiben vorübergehend auf den “Neumarkt” verlegt, kam aber dann zum alten Standort zurück und wurde in Richtung “Wiese” ausgeweitet. Letzter Markttag auf der “Wiese” war 1953, ab dann wurde der moderne Wochenmarkt an der Gabelsbergerstraße abgehalten.

In der Hauptstraße, früher Hochstraße, stehen bis heute noch einige Bauten aus der Zeit um 1900. Auch das einzige noch stehende Fachwerkhaus mit Schieferverkleidung steht hier (Nr. 3). Es wurde um 1800 errichtet und steht unter Denkmalschutz.

Auf den “Margarethe-Zingler-Platz” befindet sich heute der Wochenmarkt. Margarethe Zingler war mit ihren Mann Alfred sozialdemokratische Widerstandkämpfer. 1943 wurden sie verhaftet. Alfred Zingler wurde dann 1944 hingerichtet. Nach ihm wurde eine Straße im Stadtteil Schalke Nord benannt. Margarethe Zingler war nach dem Krieg Stadtverordnete der SPD im Stadtrat.

Umgeben wird der Platz von der “Gabelsbergerstraße” (Franz Xaver Gabelsberger, erfinder der Kurzschrift), der “Pastoratsstraße (Standort des alten Pastorrats der Altstadtkirche), der “Hauptstraße” und der “Hansemannstraße” (David Hansemann, 1790-1864, Finanzminister in Preußen, durch sein Mitwirken wurde die Köln-Mindener-Eisenbahn 1847 über Gelsenkirchen gebaut). Bis Ende der 1950iger Jahre hieß dieser Teil der “Hansemannstraße” noch “Schalker Straße” .

An der Ecke “Georgsstraße / Gildenstraße” wurde 1884 die Synagoge errichtet. Diese wurde, wie so viele in anderen Deutschen Städten auch, 1938 von den Nazis geschändet und zerstört. Heute befindet sich dort eine Gedenktafel und die Jüdische Gemeinde baut dort ein neues Gemeindezentrum auf.

Artikel von Markus Ahrens

 

Gelsenkirchen  – Ortsteil Erle

Cranger-Straße

Nennt man auch “das Rückgrat von Erle”. 401 Hausnummern, ein kpl. Einkaufszentrum, nahezu alle Straßen von Erle gehen von ihr aus. Vor 1800 Jahren sind wohl schon die Römer über sie marschiert. Im Mittelalter nutzten Kaufleute sie als günstige Querverbindung zwischen den Handelsstraßen “Lippehellweg” und “Ruhrhellweg”. In der Frühen Phase des Bergbaues (um 1765) wurde sie ein wichtiger Fahrweg. Im Ruhrtal wurde die erste Kohle gefördert und da die Ruhr noch nicht schiffbar war, wurde der alte Handelsweg zwischen Ruhr und Lippe wieder aktiviert. So entstand der s.g. “Gahlensche Kohlenweg” ab 1776 zwischen Bochum, Crange, Erle, Buer, Dorsten und Gahlen. Dort wurde die Kohle verschifft und ging ins Niederrheinische und in die Niederlande. Napoleon soll 1812 auf ihr kutschiert sein, bevor er auf  Schloß Berge eine Nacht verbracht hat. 1896 wurde die erste Straßenbeleuchtung von Erle an der Kath. Kirche und der Einmündung der Auguststraße installiert. 1901 wurden dann fünf Gaslaternen auf der gesamten Straße gezählt. Ab 1901 fuhr die erste elektr. Straßenbahn, eingleisig, von Bismarck nach Buer. Ab 1906 dann weiter bis Horst. 1925 wurde die Straßenbahn zweigleisig ausgebaut.  Ab 1909 gab es dann Kanalisation und eine feste Straßendecke. 1970 führte dann der große Gelsenkirchener Karnevalszug über der Cranger-Straße. Mehrere male änderte sich der  Name der Straße. Ende 18 Jahrhundert “Gahlener Kohlenweg”, Mitte des 19 Jahrhunderts “Bochumer Chaussee”, 1897 dann ganz offiziell “Bismarckstraße” und ab 1937 dann schließlich “Cranger-Straße”.

Forsthaus-Siedlung

Erbaut zwischen 1910 – 1913 im Gartenstadtstil. Typisch für die Siedlung: Hausfronten und Vorbauten mit Erkern, Tordurchgänge, Zierrat mit Fachwerknachbildungen, Sitzlauben vor den Wohnungseingängen. Selbst die Dächer haben immer andere Konstruktionen. Das besondere sind einige Straßennamen in der Siedlung. Sie wurden nach den Kindern bzw. der Mutter des Bergwerksdirektors Reinhold Dehnke benannt:

Rudelgasse  =     Sohn Rudolf Dehnke

Ilsegasse      =     Tochter Ilse Dehnke

Hedwigplatz =    Tochter Hedwig Dehnke (auch die Ehefrau hieß Hedwig)

Erigasse       =     Tochter Erika Dehnke

Franzigasse  =     Mutter von Reinhold Dehnke, Franziska Dehnke

 

Häuserzeile am Anfang der Cranger Straße

Dies ist die der östliche Abschluß der Forsthaus-Siedlung (ca. 300 m. lang). Ornamente des Jugendstils sind zu erkennen. An der Hausnummer 396 ist ein prunkvoller Hauseingang. Drei große Buchstaben stehen über den Eingang “ R H D “.. Dies sind die Initialen des Direktors der Zechengesellschaft “Graf Bismarck” Reinhold Dehnke und seiner Frau Hedwig. Er war Werksleiter von 1909 – 1923 und Bauherr der Forsthaus-Siedlung.

Auguststraße  (nach kfm. Direktor August Stark)

Älteste Zechensiedlung von Erle. Die Zeche Bismarck ließ diese Häuser im Jahre 1888 errichten. Jeweils 14 Doppelhäuser (s.g. Dreispänner) mit 6 Wohnungen (Küche + 2 Zimmer). Die Keller hatten keine richtige Kopfhöhe. Im Hofbereich gab es Ställe und Abstellräume und die s.g. Plumsklos. Die Auguststraße wird auch “Große Kolonie” genannt.

Die Zechensiedlung an der Karlstraße (nach kfm. Direktor Karl Leibold) war die Zwillingssiedlung zur Auguststraße. Die Alte Bebauung wurde in den 1970iger Jahren abgerissen und durch moderne Häuser ersetzt.

Zeche Graf Bismarck

1856             Erste Bohrungen in Erle / Middelich

1868             Gründung der  “Gewerkschaft Steinkohlebergwerk Graf Bismarck”

1869/74        Abteufung Schacht 1 an der Üchtingstraße

1882/84        Abteufung Schacht 2 an der Wilhelmstraße in Erle

1893/94        Abteufung Schacht 3 an der Framkampstraße

1913/14        erste Kokerei an der Üchtingstraße

1911/14        Werkshafen am Rhein-Herne-Kanal

1938              erstes Kraftwerk an der Üchtingstraße

1958              Stillegung  der Schächte 3/5 an der Framkampstraße

1966              Stillegung der ges. Zeche Graf Bismarck

Dokumentationsstätte “Gelsenkirchen im Nationalsozialismus”

1905/06        Erbaut als “Polizeikommisariatsgebäude”. Polizeiamträume im Paterre,

1. Stock Dienstwohnungen für die Polizeibeamten

1924              Sparkassenverband der Stadt Buer bezieht Räume im Hause

1931/32        Anbau für die umfangreichere Polizeistation, Sparkasse übernimmt die freien Räume im Vorderhaus

1933            Parteizentrale der NSDAP. Gliederung des Hauses:

EG               Stadtsparkasse
I OG             Parteizentrale
Anbau          Polizei

1945               Umfunktion der Räume der Polizei in Notwohnungen

1957               Auszug der Sparkasse, Zweigstelle des Einwohnermeldeamtes zieht ein

1975               Polizei räumt den Anbau

1977               Aufgabe der Zweigstelle des Einwohnermeldeamtes und Verlegung nach Buer

1980               Eröffnung der Zweigstelle der Bücherei

1989               Rat der Stadt beschließt Eröffnung der Dokumentationsstätte und Neubau für die

Stadtbücherei anstelle des alten Polizeianbaus

1994              Eröffnung des Doku-Zentrums und Eröffnung der Bücherei in dem neuen Anbau

 

Kirchen in Erle

St. Barbara  (Katholisch)

1892         Einweihung der Kirche

1896         Vergrößerung der St. Barbara Kirche um das doppelte

1897/98   Bau des Kirchturms

1900          St. Barbara wird selbständige Pfarrei

1927/28    Nochmalige Vergrößerung der Kirche

1944          Kriegsbeschädigung an der Kirche

Um die Jahrhundertwende wurde die evangelische Dreifaltigkeitskirche an der Cranger Straße erbaut.

Menschen in Erle

Pfarrer Karl Rauch (1905 – 1936 evangelischer Pfarrer)

Ein sehr hilfsbereiter Mensch der keine Angst kannte. Bekannt ist das er einem hinkenden Mann beim ziehen einer Mistkarre half, Pfarrer Rauch zog die Karre bis zu dem Garten des Mannes an der Framkampstraße. Außerdem ist bekannt das das jüdische Ehepaar Goldschmidt (Kolonialwarenladen and er Ecke Cranger-Straße/Darler Heide) das Ehepaar Rauch gebeten hatte, wertvolles Porzellan zu verstecken, so lange “bis wieder bessere Zeiten kämen”. Selbstverständlich stimmt das Ehepaar Rauch zu. Rauchs werden dabei beobachtet und denunziert und Frau Rauch verbringt einige Tage Haft bei der Gestapo in Gelsenkirchen.

Dr. Albert Lübbesmeyer

Erster Arzt in Erle im Jahre 1895. 1897 erbaute der Arzt an der Cranger Straße 278 seine Praxis und Wohnung. Verheiratet war Albert Lübbesmeyer mit der Tochter des Bergwerksdirektor Oberschuir , Ida Lübbesmeyer. 1908 wurde Dr. Lübbesmeyer zum Leiter der Inneren Abteilung des 1902 gegründeten Krankenhause von Erle, des “Elisabeth Krankenhauses”. Bis 1927 hatte er, neben seiner Praxis, dieses Amt inne. 1933 starb Dr. Lübbesmeyer , zwei Jahre zuvor seine Frau Ida. Das Ehepaar hatte 5 Kinder, von denen zwei Söhne auch Ärzte wurden und die einzige Tochter den Chefarzt des Marienhospitals in Buer geheiratet hat (Dr. Marx). Dr. Lübbesmeyer war auch Vorstand der ärzlichen Standesvereinigung, Gemeide-, Armen- und Schularzt, Magistrat der Stadt Buer und Kreistagsabgeordneter von Recklinghausen.

Frau Wittershagen, Hebamme

Frau Wittershagen lebte erst an der Cranger Straße 239, später dann bis zu ihren Tode 1966 im Eckhaus Cranger Straße/Am Fettingkotten. Um 1900 kam Frau Wittershagen aus Wattenscheid kommend nach Erle, in Bochum hatte sie die Hebammenschule besucht. Verheiratet war sie seit 1893 mit Wilhelm Wittershagen, sie hatte 4 Kinder (2 Söhne und 2 Töchter). Sie war bei den Leuten in Erle sehr beliebt da sie eine optimistische und ruhige Frau war. Kleinere Kinder die sie auf der Straßen sahen meinten, sie würde die Kinder in ihrem “Hebammenkoffer” mitbringen. Das leben machte es Frau Wittershagen nicht immer leicht. Zwei ihrer eigenen Kinder (die beiden Söhne) starben sehr dramatisch. Der eine Sohn wurde von der Straßenbahn überfahren, und der andere Sohn wurde 1923 von französischen Besatzungssoldaten hinter dem Rathaus in Buer mit den Erler Kriminalbeamten Burghoff gefoltert und anschließend erschossen. Lt. damaligen Zeitgenossen wurde Frau Wittinghoff nach diesem grausamen Ereignis schlagartig eine grauhaarige Frau. Bis 1964 soll sie rund 3000 Kindern zum Licht der Welt verholfen haben.

 

Artikel von Markus Ahrens

 

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