Essen

 

Weltkulturerbe Zollverein

Zollverein bietet das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Kultur- und Freizeitprogramm mit großen Highlights, hochkarätigen Konzerten von Klassik über Jazz bis Pop, internationalen Tanzfestivals, zeitgenössischer Kunst und ausgezeichnetem Design. Auf dem ehemaligen Industriegelände, das von der UNESCO mit dem Titel „Weltkulturerbe“ ausgezeichnet wurde, gibt es für jeden Geschmack und für jedes Alter viel zu erleben.

                                             
Villa Hügel in Essen

 

Das ehemalige Wohnhaus der Unternehmerfamilie Krupp liegt im Süden der Großstadt Essen. Auf einer Anhöhe am beliebten Baldeneysees. Das Wohnhaus ist heute Museum und Kulturstätte der Kulturstiftung Ruhr (Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung). Der Komplex besteht aus dem “Großem Haus” und dem “Kleinen Haus”, wobei das “Große Haus” stets Wohnhaus der Familie war und das “Kleine Haus” verschiedentlich Logierhaus, Wohnhaus der jüngeren Generation bzw. Wohnhaus der älteren Generation war.

Erbaut wurde die Villa Hügel in Jahren 1870 – 1873, die Pläne stammen aus den Händen des Firmenchefs Alfred Krupp. Anfang 1872 beginnt man mit den Innenausbau des Hauses und im Januar 1873 zieht Alfred Krupp mit seiner Ehefrau Bertha Krupp (geb. Eichhoff) und den fast neunjährigen Friedrich-Alfred, genannt Fritz, in das Haus ein. Alfred Krupp nennt sein Haus meist “Bredeneyer Gut”, daneben werden noch lange die Bezeichnung “Wohnhaus Hügel” und “Besitzung auf dem Hügel” benutzt. Erst langsam zieht die Bezeichnung “Villa Hügel” in Sprachschatz der Leute ein.

Die ersten Jahre lebt es sich auf der Villa Hügel sehr einfach. Alfred Krupp, der eine riesige Angst vor Feuer hatte, hatte angeordnet, kein Holz für den Innenausbau zu verwenden. Außerdem hatte er veranlasst kaum Stoffe oder Bilder in die Räume zu hängen. Somit war es in den Anfangsjahren ziemlich “kalt” in dem Hause. Anfangs hatte man auch große Probleme die Räume zu beheizen. Die Heizung funktionierte nicht richtig, und somit wurde es im Winter gar nicht richtig warm in den Räumlichkeiten. Beleuchtet wurden die Räume der Villa bis ca. 1890 mit Gas, das aus einem an der Ruhr errichteten Gaswerk herstellt wird. Ab 1890 wurde dann in der Villa Strom gelegt. Die Beheizung mit Gas erfolgte noch bis in den 1930er Jahren, und wurde dann ebenfalls von Strom abgelöst.  Alfred Krupp legt sehr großen Wert auf  Hygiene. Von Anfang an haben die Badezimmer und Toiletten in dem Wohnhaus Wasserspülung und fließendes Wasser.

Vier Generationen leben in der Villa Hügel. Die ersten waren, wie bereits erwähnt, Alfred und Bertha Krupp mit Sohn Friedrich-Alfred. 1882 trennten sich Alfred und Bertha, nachdem ein heftiger Streit die beiden endgültig entzweit hatte. Bertha ging nach Leipzig und Alfred lebte alleine in dem großen Hause. 1882 heiratete Friedrich-Alfred Krupp, Margarethe von Ende. Beide lebten Anfangs in dem s.g. Logierhaus. 1887 starb Alfred Krupp und die schwer Kranke Witwe Bertha kam zurück aus Leipzig. Die junge Familie Friedrich-Alfred und  Margarethe Krupp zogen nach dem Tod Vaters mit Ihren beiden Töchtern Bertha Krupp (*1886) und Barbara Krupp (*1887) in das “Große Haus”. Alfreds Witwe Bertha starb 1888. Von nun an lebte die junge Familie alleine in dem Wohnhaus. Unter Friedrich-Alfred und Margarethe wurde das Haus auch wohnlicher. Es wurde mit Stuck und Holz verziert und es zog ein gewisser “Flair” in das Haus ein.

1902 starb Friedrich-Alfred Krupp plötzlich mit nur 48 Jahren. Sein Tod machten seine noch Minderjährigen Töchter zu Halbwaisen. Bertha Krupp wurde die “Alleinerbin”, bis zu Ihrer Volljährigkeit war Ihre Mutter Margarethe Ihre “Verwalterin”. 1906 heiratete Bertha Krupp den Legationsrat Gustav von Bohlen und Halbach. Mit der Hochzeit von Bertha erlaubte es der deutsche Kaiser Gustav sich  fortan “Krupp von Bohlen und Halbach” zu nennen. Außerdem darf sich der jeweilige Erbe ebenfalls “Krupp von Bohlen und Halbach” nennen. Nach der Hochzeit von Bertha und Gustav ziehen beide in das “Große Haus” und Margarethe Krupp zieht in das “Kleine Haus”.

1907 wird dem jungen Glück das erste Kind geboren, ein Junge. Er bekommt den Namen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. In den folgenden Jahren werden dem Ehepaar Krupp von Bohlen und Halbach noch insgesamt sieben Kinder geboren, sechs Jungen und zwei Mädchen. In den Jahren 1912 bis 1915 wird die Villa grundlegend renoviert und sie bekommt Ihre Gestalt die sie bis heute behalten hat. 1931 stirbt Margarethe Krupp, 78jährig in dem “Kleinen Haus” auf dem Hügel, nach Ihren Tod zieht Ihr Enkel Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in die Räumlichkeiten ein. Zuerst als Junggeselle, 1937 mit seiner ersten Ehefrau Anneliese Krupp von Bohlen und Halbach, geborene Bahr. Dem Ehepaar wird 1938 der einzige Sohn Arnd geboren. Die Schwiegerelter Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach sind mit der Wahl des Sohnes nicht einverstanden und drängen ihn schließlich 1941 zur Ehescheidung, man droht ihn zu enterben. Anneliese willigt der Scheidung zu und verlässt die Villa Hügel. Im Zuge des Krieges leert sich das Haus, die Geschwister haben eigene Familien gegründet, Bertha und Gustav gehen der Bombenangriffe wegen nach Oberösterreich, wo die Familie ein Zweitwohnsitz besitzt. Als 1945 der Krieg zu ende geht lebt nur Alfried Krupp von Bohlen und Halbach alleine auf der Villa Hügel. Er wird dort von den Amerikanern verhaftet. Alfried wird als Kriegsverbrecher verurteilt und bleibt bis 1951 in Haft.

Die Villa Hügel ist beschlagnahmt und kommt erst nach der Entlassung Alfrieds 1951 wieder in Besitz der Familie. Aber Wohnhaus wird die Villa Hügel nicht mehr, von diesen Zeitpunkt an wird Sie zur Kulturstätte und erstmalig auch für die Öffentlichkeit geöffnet.

Mittlerweile ist die Villa Hügel über 50 Jahre eine beliebte Kulturstätte. Sie ist über die Grenzen der Stadt Essen bzw. des Ruhrgebietes heraus, bekannt. Jeder der das Ruhrgebiet besucht, sollte sich dieses Wohnhaus der Familie Krupp unbedingt ansehen. Noch kurz eines, bis heute ist die Villa Hügel im Grundbuch der Stadt Essen als “Einfamilienwohnhaus” eingetragen.

Markus Ahrens, Bottrop

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